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Liebe kleine Norali,

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alles an dir ist neu, mein kleines Mädchen. Niegelnagelneu. Dein linkes Ohr, deine Art ein Huhn nachzuahmen, dein Vertrauen in die Menschen. Besonders bei letzterem ist es so schön zu sehen, wie unvoreingenommen und positiv du anderen Menschen begegnest. Und gestern, da ist mein Herz ganz schwer geworden, als du mit deiner kleinen Freundin zusammen spielen wolltest, aber die Freundin lieber zu allem „Meins! Alleine!“ gesagt hat. Ich bin sicher, das wirst du eines Tages verstehen und eine zeitlang auch so sehen, denn das ist eine Phase, die kommen und gehen wird. Aber gestern hast du es nicht verstanden. Hast deine kleinen, feinen Augenbrauen angestrengt gerunzelt und dann einen weiteren Versuch unternommen. Und noch einen. Geerntet hast du nur Geschrei und das langsam einsetztende Dämmern, dass du nicht mit Lesen darfst. Oh, dein Gesichtsausdruck – das hat mir das Herz ein klein wenig gebrochen. Und es hat mich ziemlich viel Kraft gekostet, dich das erleben zu lassen und nicht einzugreifen. Denn das ist die Wahrheit, die jede Mutter wohl irgendwann realisieren muss: Ich kann dich nicht beschützen. Klar, vor tropischen Krankheiten hoffentlich und vor Unwetter und vor Bauchschmerzen durch zu viel Schoki. Aber die vielen Menschen da draußen, die werden dich ab und an enttäuschen und verletzen. Das fängt jetzt schon an und es wird immer wieder so sein, da bin ich sicher.

Was ich dir aber sicher sagen kann, mein kleines, wundervolles Mädchen ist, dass es nicht an dir liegt (bestimmt wird das später mal anders, aber gestern war es einfach die Phase deiner Freundin). Dass es nichts über dich aussagt. Dass du wunderwunderwundervoll bist. Und wertvoll. Und so so geliebt, immerzu und überall. Von mir und noch mehr Menschen.

Und weißt du was, mein kleines Mädchen, von dem ich so viel lerne? Als ich gestern Abend darüber nachgedacht habe, wurde mir auf einmal klar, dass Gott genauso zu mir redet in bestimmten Situationen mit Menschen, in denen ich sehr verletzt worden bin. In anderen Situationen bin ich sicher nicht schuldlos, aber in diesem Fall sagt mir Gott, dass es nicht an mir liegt und nichts über mich aussagt. Dass mein Wert nicht dort liegt. Und dass er mich wunderwunderwundervoll findet.

Oh, mein kleines Mädchen, so viel haben wir noch zu lernen. Ich und du. Die Sache mit dem Leben und den anderen Menschen ist nicht leicht. Ich wünschte, ich könnte dich beschützen, aber es geht nicht. Stattdessen hoffe ich, dass ich es schaffe, dir diese eine einzige Sache bei zu bringen: wie unendlich und unfassbar cool du bist. Und wie wunderwunderwundervoll wir dich finden, Gott und ich.

Deine restlos-begeisterte Mama

P.S: Dein Papa übrigens, der findet dich sicherlich nicht „wunderwunderwundervoll“. Der findet eher, dass du die coolste Socke unter 2 bist, die er je getroffen hat. (Und das finde ich auch!)

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Tagesziele und anderer Irrsinn [und wie Schokopudding alles gut macht].

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Diese Kind. Es ist herrlich. Und eine Fortbildungsprogramm für meine Persönlichkeit. Ich glaube, mich hat das mit dem Eltern-werden (und Eltern-sein) so heftig erwischt, weil es mich so so sooo viel lernen lässt. Das klingt jetzt so positiv… Aber manche Sachen (besonders Sachen über mich selbst), hätte ich lieber nicht gewusst.

Zum Beispiel das mit meiner rettungslosen Produktivitäts-Abhängigkeit. Ich bin ein to-do-Junkie. Besser noch ein getan-kriegen-Junkie. Und wenn meine kleine Norali entscheidet, dass heute ein Tag ist, an dem wir uns bitteschön im 50 cm Radius voneinander aufhalten, sie keine Sekunde ohne Aufmerksamkeit ertragen kann und außerdem noch auf den langen Mittagsschlaf verzichten (und stattdessen zwei kurze Nickerchen in der Trage auf Mamas Rücken machen) möchte, oh ja, dass ist dann so ein Tag, an dem nicht viel erledigt wird.

So ein Tag war gestern. Aber weil ich diese Tage inzwischen schon kenne, war ich gestern furchtbar gewitzt und habe bereits am Morgen meine Tagesziele umdefiniert. Der Haushalt hatte B-Priorität, Ziel Nr. 1 war es mit möglichst wenig „Geduld-verlieren-und-Stimme-erheben“ durch den Tag zu kommen. Denn das, liebe Freunde, ist eine Herausforderung für mich sanfte, ausgeglichene, liebevolle, perfekte Mama. Hm, hm. Eine der Sachen, die ich lieber nicht über mich gelernt hätte.

Als der weltbeste Ehemann dann am Abend nach Hause kam, habe ich ihm stolz erklärt, dass die Spüle voll dreckigem, die Spülmaschine voll mit sauberem Geschirr steht, dass der Trockner fertig ist und insgesamt drei saubere Wäscheladungen zusammen gefaltet werden müssen, dass die Tasche mit den Einkäufen noch in der Küche steht, die man ja zum Glück durch das Chaos im Flur nicht betreten kann und ich TROTZ ALLEM mein Tagesziel erreicht habe und nahezu gar nicht laut geworden bin. Ha!

[Heute hat das nicht so gut geklappt. Aber für solche Tage gibt es dann ja immernoch Schoko-Sahne-Pudding zum Feierabend. Oh, wie gut.]

Eine lernende Bini

P.S. Ist es komisch, dass ich ein Foto von meinem Schokopudding-Feierabend mache? Macht nix. Ich hab’s trotzdem gemacht, weil ich mich auch an diese Zeiten meines jungen Mutterglücks erinnern will: Der süße Moment, wenn das Kind schläft.