Alle Artikel in der Kategorie “Allgemein

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the best idea

You, my little Baby, you are awesome. You are so loved and so wanted. Your big sisters can’t wait to meet you (in fact, they asked every morning for a solid week, if you have finally arrived). You are prayed for and hoped for and longed for. It’s so good to have you on the way.
But to be honest with you: It was the best idea we had this summer, but I have been paying for it for all of autumn. Life in the last weeks and month was horrible. I have too many physical issues, too many emotional issues, too much of everything. Except patience that is. So I am slowing plowing my way through the jungle of pregnancy, through the waves of hormones, through the food-challenges  and the life-without-coffee-challenge and the never-ending nausea. Practicing grace with myself, saying „I’m sorry“ every day, learning once again how incredibly bendable we are as human beings to change (current or long term). Even change  that makes us a different person (and by „a different person“, I actually mean „a difficult person“. Ugh.).  More than once I thought „this is too much to carry“, but I am learning that I am indeed strong enough for this. Strong enough to have you with me, strong enough to give you everything you need.
So welcome, my sweet Babe, to my belly*report series, that starts today. I will document our time together every week and I will make an effort not to complain all the time. Promise.
You are a true miracle and that is not lost on me.
Thank God you are here.
💛

Eine pregnante Bini

P.S. belly*report #1 + belly*report #2!

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Über die Sache mit dem Kater und die Frage, warum gewollte Veränderungen eigentlich auch so schwer sind.

Wir waren in diesem Sommer in einem wunderschönen Berghotel in Tirol. Traumhaft. Allein die Tatsache, dass jemand für mich Essen kocht, den Tisch deckt und nach dem Essen alles abräumt – der Wahnsinn. Wir haben ein Eröffnungsschnäppchen beim Jochelius gemacht und können es nur wärmstens empfehlen! Vor allem auch, weil wir ein besonderes Extra vom Hotel bekommen haben – einen kleinen Kater.

Whaaaat?!?

„Was sind das für Menschen, die aus dem Urlaub Tiere mitbringen?“, habe ich mich früher gefragt. Hm, ups. Ich scheine so ein Mensch zu sein. Aber von allen Familienmitgliedern habe ich mich definitiv am meisten dagegen gesträubt (am meisten = als Einzigste. Ahem.)
„Wie wird mein Leben, mein Alltag sein mit Katze?“, habe ich mich gefragt. Ich werde ja das Futter kaufen. Ich werde bestimmt das Katzenklo sauber machen (bisher tut das aber der weltbeste Ehemann, er hat seinen Titel wirklich verdient! Oh ja.) Aber ich werde mehr Zeit mit dem Kater verbringen und mehr für ihn sorgen, als die drei anderen Familienmitglieder, die ja mit ihren eigenen Berufen beschäftigt sind (die einen mit Kind-sein, der andere mit Geld für den Katzenfutter-Kauf-verdienen.)

Als wir also im Auto saßen – drei seelige Menschen, ein seeliger Kater und ich – da machte sich in meinem Herzen ein durchaus schales Gefühl breit. Wir fuhren zurück in unsere Heimat, in unser Leben. Aber es würde anders werden. Oh nein! Dabei mag ich mein Leben!

Und dann machte es beinahe hörbar „wuuuusch“ (für drei seelige Menschen und einen seeligen Kater vielleicht nicht, aber für mich schon) und mit den Zauberkräften der emotionalen Zeitreise war ich fünf Jahre zurück katapultiert. In genau diese drei Tage im Juni 2013, die außergewöhnlich heiß waren…

Ich saß in meinem Bett und schwitzte. Die Trombosestrümpfe halfen nicht unbedingt. Sie halfen mir auch nicht dabei, mich optisch einigermaßen ansprechend zu fühlen, jetzt, wo dieser mehrere Tonnen schwere, schwangere Bauch nicht mehr kräftig spannte, sondern sich viel zu viel Haut in meiner Körpermitte tummelte. Ugh. Ich saß also da und der Milcheinschuss kam und ich schwitze noch ein bisschen mehr. Und darum weinte ich auch. Unter anderem. Ich weinte auch, weil mein Baby so schön war und so gesund. Ich weinte, weil es so brav trank und schlief. Ich hatte riesiges Glück mit genau diesem Baby, aber es traf mich mit voller Breitseite, dass sich mein Leben, mein Alltag, alles was ich bin und habe dramatischst verändern würde. Und ich nicht das Geringste dagegen tun kann. (und ja auch nicht will! Immerhin habe ich mir diese Veränderung jahrelang und genau dieses Kind monatelang gewünscht.) Und trotzdem, trotzdem ließ es meine Knie schlottern und meine Tränenkanäle weiten, dass alles anders sein wird. Und ich das Kind nicht mehr zurück geben kann und sagen „Nichts für ungut! Aber ich will mein Leben zurück, Bitte, Danke. Guten Tag.“

Ich habe noch ein wenig darüber nachgedacht – also später, als mein Gehirn nicht mehr so vernebelt war von den Stillhormonen. Es ist eine traurige Wahrheit, dass unerwartete, schlimme Veränderungen, wie Schicksalsschläge hart sind. Aber wieso dürfen denn gewollte und positive Verändungen auch schwierig sein? Wer hat das denn erlaubt? Und ich glaube, das Schwierige an Veränderungen ist, dass es meistens eine unsichere Komponente gibt, die man nicht beeinflussen kann, auf die man sich einlassen muss. Hm, einlassen. Dabei bin ich so sehr daran gewöhnt, sooo viele Optionen zu haben und sooo viel in meinem Leben gestalten zu können. Und darum stehe ich etwas baff und wie der Ochs vorm Berg vor den Tatsachen, die ich nicht gestalten kann. Die per Naturgewalt über mich kommen. (wie die Geburt und so viele Sachen, die danach kommen. Oder auch der unverhoffte Eigentum eines Katers, hehe. Und was der so unerwartetes mit sich bringt.)

Fest steht: Ich wollte die Veränderung. Dann kommt sie. Und dann denke ich: He! Ich mochte mein Leben! Es war gerade echt cool! Und jetzt ist es so.. so.. anders.

Die gute Nachricht ist: Das neue Leben mit Baby wurde auch echt sehr cool. Ooh ja. Und wie. Wir Menschen sind ja unfassbar flexibel und anpassungsfähig. Wir können uns auf zwei Tassen (!) Kaffee am Tag beschränken, wenn der Frauenarzt das vorschreibt. Wir können mit insgesamt 4 Stunden Schlaf in 30- minütigen Häppchen durch die Nacht kommen, wenn das kotzende Kleinkind das vorschreibt. Wir können uns dehnen, sehr buchstäblich und physisch, wir können uns klein machen und zurück nehmen und identitätsdefinierende Tätigkeiten in die Zeit des 45 minütigen Mittagsschlafs pressen. Wir können uns an so vieles gewöhnen – das Leben mit einem Neugeborenen oder auch das Leben mit einem Kater.

Um Himmels willen, nein, ich denke natürlich nicht, dass diese beiden Veränderungen für mich gleichwertig waren. Das blöde Vieh wird rausgeschmissen, wenn es nicht gut läuft.
(Aber den Kater behalten wir auf jeden Fall, hehe.)
(Das war ein böser Scherz, Entschuldigung, Uja-Oma!)

Jedenfalls, die Geschichte mit der Katze hat mich daran erinnert, dass die Sache mit den Veränderungen manchmal ganz schön schwer ist. Auch wenn man die Veränderung wirklich sehr wollte! Und: wie gut, dass es am Ende gut wird. (Für den Fall, dass hier jemand liest, der noch im schalen Geschmack der Veränderung steckt: es wird gut!!)

Und natürlich freue ich mich sehr berichten zu können, dass es ganz und gar herrlich ist, einen Kater zu haben. Er ist süß und lässt sich brav Kraulen (wenn er keine wichtigeren Katzen-Dinge zu tun hat, is klar). Doch, es ist wirklich schön. Auch wenn mir einige Horrorstorys erzählt wurden und ich direkt auch schon welche auf Lager habe… Unter anderem, dass die Summe, die wir wegen des ersten Katzenschnupfens beim Tierarzt gelassen haben, für ein Reihenendhaus gereicht hätte. Naja. Zum Abendessen gibt es Reis, Kinder. Ohne Soße. Zumindest für die nächsten 15-20 Jahre. So lange eben, wie wir dieses herrliche Tier haben.

Eine verkaterte Bini

 

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Kopflos. [oder: Unvergessliche Momente des Gedächtnisschwundes]

[„Kopflos“, Kunstinstallation an der Toilettenwand. Aufkleber auf Tapete. Von Norali.]

Eine echte Unterhaltung an unserem echten Küchentisch von heute Morgen:

Ich: „Mir ist gestern Nacht wieder eingefallen, was ich dir noch unbedingt erzählen wollte!“
Der weltbeste Mann: „Ah, was war’s denn?“
Ich: „Keine Ahnung, ich hab’s wieder vergessen.“

Das Problem mit der Schwangerschafts- und Stilldemenz ist, dass sie gekommen ist, um zu bleiben. Obwohl ich schon lange nicht mehr stille, bin ich weiterhin fröhlich am Vergessen, ständig, überall und alles. Wechselkleider für die KiTa, Milch kaufen, Geburtstage und immer wieder gern: mein Portemonnaie.

Letztes Wochenende war ich mit der kleinen Milia beim Bäcker (mit Portemonnaie!!) und just in dem Moment, als mir das Kleingeld ausging, verlangte sie noch lautstark nach einer Laugenstange. Ich zeigte ihr meine restlichen sechzehn Cent und erklärte ihr, dass ich beim Rewe-Einkauf Geld abheben kann und wir auf dem Rückweg ihre Laugenstange kaufen können. (nebenbei: wie bizarr aus der Sicht eines Kindes, dass wir im Rewe Essen holen und obendrein Geld. Hmja).
Bloß kam ich an der Rewe-Kasse ins Schwitzen: Wieso war da nur ein Eierkarton? Hatte ich nicht zwei gekauft? Ich hatte einen zweiten in der Hand gehabt, dass weiß ich genau, habe ich ihn gedankenverloren zurück ins Regal gestellt? Eieiei (no pun intended). Während die äußerst verständnisvolle Kassiererin mir anbot, dass ich nochmal zum Eierregal hechte, ist mir durch den genaueren Blick in die Einkaufstüte klar geworden, dass ich die zweite Eierpackung nicht vergessen hatte zu kaufen, ich hatte nur vergessen, dass ich sie schon eingepackt hatte. Puh!
Tja und vor der Tür wollte die kleine Milia dann ihre Laugenstange kaufen gehen, aber das mit dem Geld abheben, hm, ja also, dass hatte ich in dem vergessene-Eier-Trubel leider auch vergessen.

So eine Kettenreaktion der Vergesslichkeit habe ich auch letzten Herbst auf dem Weg zum thanksgiving Dinner bei Freunden erlebt. Ich wollte gerade aufbrechen, schwer bepackt mit Nachtisch und allem Möglichen, als mir einfiel, dass ich noch crushed iced aus der Tiefkühltruhe im Erdgeschoss mitnehmen wollte. Im Erdgeschoss angekommen klingelte es aber an der Tür und ich musste ein Paket für die Christiane annehmen. Danach bin ich los und wollte ihr direkt schreiben, dass ihr Paket da ist. Allerdings ist mir dann das vergessene crushed ice eingefallen. Und über dem Gedanken darüber, ob ich nochmal zurück gehen sollte, habe ich dann vergessen der Christiane vom Paket zu schreiben.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Die habe ich vergessen.

Eine     Bini

P.S: Noch jemand da draußen vergesslich?? Schreib mir deine schönste Vergesslichkeits-Geschichte in die Kommentare! (Oder irgendeine an die du dich erinnern kannst… ;)) Ich freu mich!

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33 Dinge, die ich mit 33 gelernt habe [halbiert].

Lieblingsfoto[Lieblingsfoto mit 33 – auf dem Weg nach Berlin im Morgengrauen]

Hier kommen die traditionellen Geburtstags-Dinge! Hurra! Und weil ich gemerkt habe, dass 33 Dinge wirklich unglaublich viele sind und weil ich glücklicherweise hier diejenige bin, die die Regeln macht, habe ich kurzerhand entschlossen, die Geburtstags-Dinge zu halbieren. Ha! Hier kommen also 16,5 – najagut, 17 Geburtstags-Dinge, hurra!

  1. Denver. Grundgütiger, wo fange ich da an. Wir hatten als Familie eine Auszeit in den Rocky Mountains und es war die beste Zeit, die wir als Familie jemals hatten. Ever. Die Kinder reden heute noch davon (also wir alle). Dort habe ich viel gelernt.
  2. zum Beispiel über Ausblick. Nämlich dass ich ihn brauche, metaphorisch, aber ganz, ganz sicher auch physisch. Die mächtige Auswirkung, die Ausblick auf meine Seele hat ist geradezu alamierend.
  3. Während ich also so da saß und die Berge angeschaut habe, habe ich ein paar Dinge gemacht. Darunter: Frieden schließen mit meiner äußerst facettenreichen und hochkomplexen Beschaffenheit als Bini. Ich habe ja erst neulich über das viele Fühlen geschrieben und darüber, dass es schon arg im Kontrast zu früher gekannter Lässigkeit steht. Mit dem Prinzessin werden musste ich toughe Bini schon erstmal klar kommen. Aber wie ebenfalls geschrieben – oh, es lohnt sich so… (auf dem Weg geholfen hat mir übrigens diese Buch über Persönlichkeitstypen. Kann ich nur wärmstens empfehlen!)
  4. Der weltbeste Mann und ich hatten in diesem Jahr das, was wir gerne als „die grandiose Hochzeitstags-Misere“ bezeichnen. Wir hatten am Hochzeitstag 3 Tage zu zweit frei und haben am Anfang des ersten Tages einen Streit begonnen, der sich bis zum Ende des letzten Tages gehalten hat. Danach war wieder alles super! Aaaargh. (aber immerhin können wir jetzt darüber lachen)
  5. Bestes Lied: „dein Hurra“ von Bosse. Ach und natürlich der „La La Land“ Soundtrack. Der ist ja auch unfassbar. Und natürlich Hans Zimmer, immer. Aber das war ja schon klar.
  6. bestes Essen: iced coffee beim Ausflug in Denver.  (ja, natürlich zählt Kaffee als Mahlzeit!)
  7. Neuer Kaffee mit 33: die Kaufmann’s Hausmischung! So gut.
  8. Und irgendwie verblüffend: seit gut 20 Jahren trinke ich Kaffee mit Milch. Und seit dem Kaufmann’s Kaffee in diesem Jahr ohne. Sachen gibt’s.
  9. Noch so eine Sache: Zeit. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zur Zeit (ganz allgemein). Wie kann es möglich sein, dass man mit Magen-Darm-Kindern zu Hause in Karantäne ist, für die Dauer einer Woche, die sich wie eine Dekade anfühlt. Wie man aber andererseits denken kann „so, ich habe jetzt gerade abgestillt und den Neugeborenen-Wahn (schön/schaurig) hinter mir gelassen – also wirklich gerade eben, vermutlich gestern – und tadaa! morgen muss das Kind zur Schule angemeldet werden. Wirklich morgen. Also bis spätestens April.“ Dazu fällt mir absolut nix mehr ein. Aber auch gar nix.
  10. Berlin. Ich hab irgendwie Gefühl, ich schreibe das in jedem Jahr, aber OH, Berlin. Ich mag dich so. Zwei mal war ich mit 33 Jahren dort. Mal schaun, ob ich das mit 34 toppen kann, yeah!
  11. Neue Erkenntnisse über das Joggen: Es muss gar nicht immer 1 Stunde sein und auch nicht immer im Park. Ach so! Morgens vor dem Duschen schnell 20 Minuten um den Block geht ja auch und da hab ich noch nicht mal Zeit verloren, Hurra!
  12. (Da meine Kinder wunderbarerweise lange Schlafen, stehe ich nicht mal heldenhaft früh dafür auf. Nur medium früh. Aber das ändert sich ja dann MORGEN, wenn die SCHULE anfängt!!!!!)
  13. im letzten Jahr haben meine Mädchen angefangen miteinander zu spielen und das ist ein echter Meilenstein, obwohl es sich natürlich schleichend eingebürgert hat. Schuld daran ist vor allem, dass a) die kleine Milia jetzt wirklich sehr gut sprechen kann und ein echtes Spiel-Gegenüber ist b) ich recht militantisch damit umgehe ihre Geschwisterliebe zu fördern (ein Tipp einer Freundin, der sich sehr bezahlt macht) und c) dass sie ganz allgemein und objektiv die besten Kinder der Welt sind. Ha!
  14. wer hier schon sehr, sehr lange liest, wird sich an den Namen Abi erinnern, der früher in jedem zweiten Satz gefallen ist, weil wir wie eine Familie zusammen gewohnt haben. Tja, und dieser Abi ist in diesem Jahr aus unserem Haus ausgezogen (nach 8 Jahren zusammen wohnen) und ich bin hocherfreut berichten zu können, dass mein Herz voll und ganz intakt geblieben ist. Das hätte ich vor 5 Jahren nicht für möglich gehalten. Aber so ist es und das macht mich sehr dankbar! (Wirklich weit haben er und Ändi es ja nicht geschafft – gerade mal 7 Hausnummern weiter, schräg über die Straße :))
  15. Was der Auszug allerdings bewirkt hat in meinem Leben habe ich schon hier geschrieben. Gott hat sich nicht lumpen lassen und mir einen wirklich wundervollen Ort (über den Zwischenschritt der leeren Wohnung) geschenkt. Wow. Ich würde auch sagen: der Speicherplatz, der war das beste an 33.
  16. Nein, das revidiere ich wieder. Das beste war meine kleine, feine Familie. Für uns hat es ziemlich lange gedauert, bis wir uns als Familie eingegroovt haben. Vier Jahre um genau zu sein. Aber jetzt sind wir angekommen und das ist herrlich. So schön. Das heißt leider nicht, dass wir ein Frühstück ohne Tränen hinbekommen (zumindest 2 von 3 Frühstücken sind momentan mit Geschrei versehen, uiuiui), aber das wird schon noch.
  17. Als ich im Sommer mit der Christiane in Leipzig war, hatten wir die Gelegenheit „La La Land“ im Open-Air Kino zu sehen, wie cool! Haben wir aber nicht gemacht und stattdessen den Film zu Hause auf dem Sofa geliehen und geschaut. Und er hat mich SO SEHR bewegt. Sonst stehe ich nicht so auf Musicals, aber oh. Diese Musik. Herrlich.

Es war wirklich ein unglaublich gutes Jahr. Ich bin so so sehr unfassbar dankbar und so gespannt auf das was kommt!

Eine 33jährige Bini

 

 

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Von Tränen am Jogurtregal. [Und genereller Begeisterung für Hans Zimmer]

Hans Zimmer Zitat-1

Letzte Woche haben wir den Film „Score“ gesehen und ich war sehr inspiriert von dem obigen Hans Zimmer Zitat. Er beschrieb, wie seine Arbeit ihn manchmal durch quälende Phasen schickt. Und trotzdem sagt er: „I love, love, love what I do“. Wow.
Kurzerhand habe ich mich mal im Handlettering versucht – es ist nicht perfekt geworden, aber den Inhalt der Aussage habe ich währenddessen umgesetzt, hehe. Das Zitat hat mich daran erinnert, dass ich schon mal was geschrieben hatte, das mit Hans Zimmers Musik zu tun hatte. Also habe ich in meinen Entwürfen gekramt und voilá, ein Post aus Oktober 2016, der nie online ging. Da waren meine Mädchen 3 und 1 und ich am Rande meiner Kräfte. Und weil ich finde, dass man auch mal was Altes posten kann, mache ich das heute! Los geht’s:

Diese ganze unfassbare Kiste mit den Schwangerschaften und dem Kinder-kriegen-und-haben hat in mir so viel aufgewühlt und auf den Kopf gestellt. Ganz vorn dabei: Das „zu-viel-fühlen“.

Vor den Kindern war ich schon ein wenig sensibel, aber eher so, sagen wir „medium“. Ich wollte nie besondere Hege und Pflege haben, dafür war ich viel zu stolz. Statt einem zarten Pflänzchen war ich lieber eine toughe Sau und so wollte ich auch bleiben. Ich war unkompliziert, ich war selbstmotiviert, ich war vor allem unfassbar zielstrebig und ehrgeizig und staaahlhart.

Hmja. Und dann bin ich Mutter geworden. Au weia. Denn mit der Mutterschaft kamen die Tränen. Über alles. Über die Schrecklichkeit der Welt und über eine kleine Rötung am Bauchnabel des Babys. Über vollgekotze Bettwäsche und aufgrund der Sehnsucht nach erholsamem Nachtschlaf. Ich habe geweint, wenn ich daran gedacht habe, wie es Flüchtlingen in diesem Moment geht und noch mehr geweint bei der Vorstellung, dass junge Mütter wie ich unter den Flüchtlingen sind und genauso weinen wie ich, nur noch viel schlimmer. Ich habe geweint, weil ich so viel weine. Ich weine beim Gedanken daran, meine Mädchen eines Tages vielleicht im Brautkleid zum Traualtar schreiten zu sehen. Ich weine bei der Vorstellung, dass ich sterben könnte, während sie noch ganz klein sind. Ich weine, weil ich in meiner Chaos-Wohnung nicht atmen kann. Und vor dem Jogurtregal. Da stand ich gestern und habe die Tränen hochsteigen fühlen, ohne ersichtlichen Grund, einfach nur so, aus prinzipieller Erschöpfung. Dann habe ich mich zusammen gerissen, durch geatmet und weiter eingekauft. Später hab ich gemerkt – ich hab den Jogurt vergessen! Ich stand vor dem Regal und hab ihn vergessen. Eieiei. Also hab ich eine Packung Jogurt genommen und den sichersten Platz im Einkaufswagen gesucht – nicht auf den Trauben, links ist auch alles voll, am besten ich stell ihn rechts oben in die Ecke… Wo natürlich schon einer steht. Hatte ihn doch schon geholt. Dann bin ich zurück ans Jogurtregal und musste tatsächlich weinen – weil ich mir noch nicht mal für 3 Minuten merken kann, ob ich Jogurt gekauft habe oder nicht.

Aber – oh Gott sei Dank, es gibt ein „aber“! – hatte ich neulich die Erkenntnis. Wir saßen im Auto und sind durch Sonnenschein und schönste Landschaften gesaust. Irgendwas hat mich daran erinnert, dass wir in Spanien mal völlig unerwartet in ein Konzert geraten sind, in dem „The Black Pearl“ aus dem Film „Fluch der Karibik“ von einem Orchester gespielt wurde. Komponiert von Hans Zimmer*. Das hab ich schnell raus gesucht, laut gedreht und das ganze Auto hat nur so vibriert vor Herrlichkeit, Sonnenschein und dramatisch ergreifender Musik.

Da habe ich es begriffen. Das viele Fühlen ist auch ein Geschenk. Es macht mein Leben reich. Es macht mich fürchterlich empfänglich für Details, für Nuancen und für Schönheit, an der Andere vielleicht vorbei rauschen. Es macht mich fähig tief zu empfinden, stark begeistert zu sein und die Welt nicht nur in all ihrer Abscheulichkeit wahrzunehmen, sondern auch in all ihrem Glanz. [und da ist so viel Glanz, wenn man mal hinsieht!]

Seither habe ich meinen Frieden mit dem vielen Fühlen gefunden (oder bin noch dabei). Aber jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss sehr emotionale Musik hören und alle Herrlichkeit der Welt in jeder Faser meines Körpers wahrnehmen.

Eine vielfühlige Bini

Edit im Jan. 2018: Das mit dem Weinen ist gemeinsam mit der generellen Erschöpfung weniger geworden, Gott sei Dank! Aber viel-fühlen ist wohl der neue Standard bei mir… ;)
*ich korrigiere: „the black pearl“ wurde von Klaus Badelt komponiert und zusammen mit Hans Zimmer produziert. Wer’s ganz genau wissen will, kann bei wikipedia nachlesen.

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Von einem Wunder aus 2017. [Oder wie Gott es fertig gebracht hat, mir etwas anzukündigen und mich dann doch noch damit zu überraschen.]

Ich habe auf das letzte Jahr zurück geschaut und festgestellt, 2017 gab es eine Vielzahl an kleinen und großen Wundern in meinem Leben. (Es gab auch die ein oder andere Sache, über die man sich nur wundern kann, hhmja, Einschlaf-Terror zum Beispiel. Argh. Wie unsere Ehe das Jahr mit nur einer handvoll gemeinsamer Feierabenden überstanden hat – das ist auch schon wieder ein Wunder…)

Aber ich wollte ja von was ganz anderem erzählen und zwar:

Wunder #1: ein Ort zum Schreiben.

Für eine lange Zeit im Jahr 2017 wollte ich gern Umziehen, weil mir zu Hause ein paar wichtige Dinge zum Schreiben gefehlt haben. Ausblick und Fernblick, um genau zu sein. Das klingt jetzt vielleicht, als wäre es unerheblich, wohin man blicken kann beim Schreiben, wenn man doch eigentlich die meiste Zeit dahin blicken sollte, wo man schreibt, aber oh, es macht einen grandiosen Unterschied. Oh ja. (Und außerdem gab es auch noch ein paar andere Gründe zum Ausziehen, darunter: die zwei Stockwerke nerven, die kleine Küche ist klein und überhaupt, ÜBERHAUPT findet irgend etwas in mir es empörend, mehr als vier Jahre am selben Ort zu leben. Pah! Allerdings, dass muss ich auch zugeben, gibt es auch ein oder zwei Gründe um hier zu bleiben: das Zusammenleben mit unseren herrlichen Nachbar-Freunden, der Hof, der in der Stadt ein wahres Geschenk ist, die Miete die unvergleichlich zahlbar ist… Hm.) Aber zurück zum Fernblick. Ich wollte ihn. So sehr. Davon habe ich auch meiner Freundin Rebecca bei einem Spark-Treffen erzählt (bei Spark beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir Glauben im 21. Jahrundert leben wollen). Und während wir darüber gequatscht haben, kam Mark zu uns, ein cooler Kerl, den ich bis dahin noch gar nicht kannte. Und er kannte mich nicht. Und er sagt zu mir:

Als ich gebetet habe, hatte ich den Eindruck, dass Gott dir Raum schenken möchte. Ich habe dich auf einem Speicher sitzen sehen, der weiß gestrichen war. Du saßt in einem Sessel und du warst sehr zufrieden, weil das dein Ort war. Er war zwar anders, als du es gedacht hast, aber du warst glücklich.

Das war mal ’ne coole Ansage. Ein Wohnung mit Speicher musste her! Oder ein Haus! Du liebe Zeit! Also habe ich geschaut und gebetet, habe mich gefragt, wo es hingeht und noch ein bisschen mehr geschaut.
Nichts.
Dann kam der Frühling und unsere Nachbar-Freunde über uns sind auf die andere Straßenseite gezogen (zugunsten von 2 Balkonen, wer kann ihnen das verübeln?). Wir hatten also die Wohnung über uns frei und sie blieb für einige Wochen frei, bis unsere neue, nette Nachbar-Freundin einzog. In der Zwischenzeit hatte die geniale Christiane eine Idee: Komm wir nutzen die leere Wohnung als Pop Up Studio. Hurra! Wir trafen uns zum Kunst machen und quatschen und es war herrlich. Da mein Schreibtisch nun eh dort oben stand, bin ich auch morgens hoch gegangen um zu schreiben und mit Gott zusammen auf den Baum neben unserem Haus zu schaun.
Das Problem war nur, dass Gott und der Baum und ich, dass wir wirklich sehr gut miteinander zurecht kamen. Wirklich extrem gut. Und keiner wollte damit aufhören. Aber unsere neue, nette Nachbar-Freundin hatte bereits einen festen Umzugstermin und wir mussten die leere Wohnung wieder vollständig leer machen. Was machen wir nur, fragte ich die geniale Christiane und wie erwartet hatte sie wieder eine grandiose Idee: Sie streckte ihren Zeigefinger gerade nach oben und sagte: wir haben ja noch einen Speicher.

Oh.

Möglicherweise habe ich laute Geräusche von mir gegeben. Möglicherweise habe ich meinen Kopf auf die Tischplatte gelegt (oder von der Schwerkraft legen lassen, wer kann das schon so genau sagen?). Möglicherweise habe ich eine andere dramatische Geste gemacht. Definitiv zu sagen ist: Meine Fresse. Dann haben wir den Speicher in einer Hau-Ruck-Aktion leer geräumt, meinen Schreibtisch hoch verfrachtet, ich habe die kleine Dachluke aufgemacht und war zu Hause.
Aaaah. Herrlich, einfach herrlich.

*Speicherplatz*

Und so hat mir mein Freund Gott einen Ort zum Schreiben geschenkt. Aber es ist nicht der einzige… (Fortsetzung folgt!)
(Und zwar am nächsten Freitag. Ich habe nämlich vor wieder öfter zu bloggen! Aber nicht unbedingt immer mit so fürchterlich langen Titeln… ;))

eine Bini mit mehr Speicherplatz

P.S. Es ist nicht so, dass wir nicht selbst nach dem Speicher Bild an den Speicher gedacht haben. Ist ja durchaus naheliegend. Bloß habe ich ihn direkt ausgeschlossen (und dann vergessen), weil er so voll war. Wirklich, wirklich voll. Aber als ich durch die Zeit in der leeren Wohnung bereits erfolgreich süchtig nach Baum-Gott-Bini war, schien es auf einmal denkbar den Speicher leer zu räumen. Manchmal braucht man wohl so kleine Umwege, die einem auf die Sprünge helfen…

P.S. …und man braucht eine geniale Christiane. Die sollte wirklich jeder haben!

 

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Von der schönsten Zeit in meinem Leben.

Ich sitze im roten Sessel und mein Kopf rattert. Das Wochenede war schnell und voll, die Erholung ist irgendwie auf der Strecke geblieben, Mist. Die Mädels waren heute anstrengend, süß und anstrengend, was insgesamt eine schlechte Bilanz ist. Außerdem haben wir umgeräumt, eine totale Impuls-Aktion, die zwar dringend nötig war, allerdings erstmal mehr Chaos verursacht hat, als vorher da war (und da war schon Chaos). Mist. Ich habe über dem Umräumen heute bestimmt 5 Dinge vergessen, 2 davon von großer Wichtigkeit (die Dunkelziffer ist höher).
(Aber die habe ich vergessen)

Außerdem spuken mir die großen Fragen des Lebens im Kopf herum: Wie und wo wollen wir leben, was wollen wir verändern, wohin investieren wir unsere Zeit und unsere Kraft, was ist für diese unsere Familie das Beste? Herrjemine.

Wärend die Denkfabrik also rattert und rauscht, merke ich auf einmal, dass das schwere, zarte Bündel Mensch auf mir eingeschlafen ist. Schon lange. Ehrlich gesagt schon bei der ersten Liedzeile. Krass, denke ich. Ich sitze hier und denke und grübel, dass es nur so rattert und das Kind findet, dass es keinen friedlicheren und gemütlicheren Ort gibt, als mich. Wie ich das in ihr auslösen kann mit all meine Kopf-Hektik ist mir schleierhaft, aber wenigstens, immerhin schaffe ich es endlich, mich von ihrem Frieden anstecken zu lassen. Ich sinke tiefer in den roten Sessel, streichel ihren Kopf und fürchte, dass ich Platzen muss, so sehr lieb ich sie. Dieses Kind, hach. Und dann denke ich, was ich schon oft dachte, dort in diesem roten Sessel. Ich werde daran zurück denken, wenn die Nächte, in denen sie auf meinem Schoß einschlafen wollt längst vergangen sind und ich werde wissen, was ich jetzt auch schon weiß: Diese Zeit mit dem langsam einschlafenden Kind auf meinem Schoß, diese Zeit gehört zur schönsten Zeit meines Lebens.

Und irgendwie, einfach so, löst sich der Wirbel in meinem Kopf
dann doch noch auf.

Eine endlich-friedliche Bini

 

 

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Frohmarkt! und neue Kunst (+Geschichte)

Der Pinsel und ich, wir sind ja noch immer dicke Freunde. Ich mache meine brush script Kunst in erster Linie, damit ICH mein Leben auf die Reihe bekomme (denn sind wir mal ehrlich: das Leben ist schwer. Ich hab es so gut, bin dankbar für meine Familie und so so so Vieles und trotzdem ist das Leben echt schwer manchmal. Oder?)
Darum muss ich mir gute Gedanken oder nette Sachen, die mein Freund Gott gesagt hat oder einfach Dinge, an die ich mich erinnern will unbedingt für mich festhalten.

Und wenn das dann auch noch für jemand anderen inspirierend oder ermutigend ist, freut es mich umso mehr! Online verkaufe ich meine Arbeiten ja bei juniqe.de/sabrina-hofmann und im Oktober habe ich auch offline zum ersten Mal einen Pop Up Shop gewagt. Da war ich vorher ganz furchtbar cool und abgeklärt und bin im letzten Moment noch wahnsinnig nervös geworden. Eieiei. Es ist halt doch eine sehr persönliche Sache. Umso schöner, dass der Shop wirklich gut gelaufen ist, ich sehr nette und ermutigende Gespräche hatte und dankbar nach Hause gefahren bin.

Und weil es so gut war, habe ich mich seeeehr gefreut, dass mich Julia aus Heidelberg neulich gefragt hat, ob ich beim Frohmarkt im Action House mitmachen will – klar! Hurra! Und morgen geht’s los!

Dort werde ich auch ein paar neue Sachen verkaufen, darunter eine, die ich besonders mag. Hier kommt die Geschichte dazu:

Emptiness.

Als wir letztes Jahr mit zwei Kindern unter 3 auf Elternzeit-Reise mit dem Camper durch Südfrankreich und Nordspanien unterwegs waren, wurde uns sehr schnell klar, dass das alles in der Theorie sehr viel traumhafter klang, als es in der Wirklichkeit dann war. Die Kinder entschlossen sich wechselseitig zum Schlaf-Boykott, im Mini-Heim herrschte Dauerchaos und wir hatten nicht bedacht, dass wir täglich 297 Mahlzeiten zubereiten mussten. Oh boy. Wenn dann sehr spät doch endlich alle schliefen, setzten wir uns vor den Bus ins Tages-Chaos und schauten auf ein paar traumhafte, idyllische, französische Berge. Dort haben wir entdeckt, wie herrlich und wie erfüllend Stille und Weite sein kann. Um das fest zu halten, habe ich zu Hause direkt den Pinsel in die Hand genommen. Um uns daran zu erinnern das Handy weg zu legen, das Chaos mal Chaos sein zu lassen und uns in ein paar stillen, glücklichen Momenten beim nichts-tun von Gott füllen zu lassen.

emptiness

Eine Stille-suchende Bini

P.S. Wer sich auch gerne an Stille& Leere erinnern möchte: „Emptiness“ gibt’s direkt hier bei juniqe und offline vom 08.-11.11. auf dem Frohmarkt in Heidelberg! Yeah!

 

 

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Zu guter Letzt: Ich hab’s jetzt auch verstanden.

schöne Haare
[das Bild ist schon älter, aber der weltbeste Mann ist heute genauso tiefenentspannt wie hier]

Seit jeher kämpfe ich mit dem – also eigentlich eher gegen das – Konzept von Zeit.

Ehrlich jetzt.

Alles, was wunderschön ist, geht viiiel zu schnell vorbei: Urlaub mit Ausblick; die Zeitspanne zwischen dem ersten und dem letzten Bissen von herrlichem Essen; die Zeit, in der die Kinder klein sind und sehr, sehr knutschbare Bäckchen haben.
Alles was elend ist, geht viiiiel zu langsam vorbei: Magen-Darm; die Zeitspanne zwischen der Feststellung der Fehllieferung eines großen Möbelstücks, das dann unaufgebaut um Flur verharren muss, bis zur Lieferung des fehlenden Seitenteils; die Zeit in der die Kinder klein sind und eine ganz erstaunliche Anzahl von halben Stunden untröstlich darüber sind, dass es heute keine Schüssel für die Apfelstückchen gibt (also schon Apfelstücke, bloß keine Schüssel). Herrje.

Das war jetzt eine wirklich lange Einleitung für ein ganz anderes Thema. Was ich eigentlich sagen will: Mit dem Konzept von Zeit habe ich so meine Probleme. Für mich geht das Meiste viel zu langsam vorbei. Seit jeher bin ich ungeduldig, mag das die Dinge ein wenig schneller voran gehen und das ich nicht so viel Warten muss, weil Warten einfach das Doofste von allem ist.
Umso mehr erstaunt es mich, wenn ich feststelle, wie unfassbar langsam ich mich bestimmten, zugegebenermaßen recht simplen Wahrheiten des Lebens nähere. Namentlich die simple Wahrheit: Ich kann meinen Mann nicht verändern. [und JETZT bin ich beim eigentlichen Thema angekommen. Tadaa!]

Die Profi-Ehepartner unter euch Lesern  werden wissend nicken: „Jaja, das kenne ich, mir ist das auch am 3. Tag nach unserer Hochzeit aufgefallen“. Hm. Ja, mir nicht. Ich hatte den Gedanken zum ersten Mal – ganz leise und eher so wie eine Vorahnung, die eigentlich gar nicht wahr sein kann – als wir genau 10 (Z E H N) Jahre verheiratet waren. Ich kann ihn nicht ändern.

Woa.

Dabei würd ich das so gern!

Ich fände es nämlich recht praktisch und auch angenehm, wenn er die Dinge (allesamt und allumfassend) so sehen würde wie ich. Das würde einiges erheblich erleichtern.

Macht er aber nicht. Stattdessen erlaubt er den Kindern (die mit den sehr, sehr knutschbaren Bäckchen), mit dem ebenfalls im Hausflur ausharrenden Schraubenzieher kleine Löcher in die Verpackung des fehlgelieferten Möbelstücks zu hacken. Richtig. Während das Möbelstück sich völlig neu und unversehrt IN der Packung befindet. Hm, ja.
Mein krisenerprobtes Hirn sieht uns in drei Jahren, direkt nach Ankunft des fehlenden Seitenteils das Möbelstück aufbauen, nach getanem Werk stolz einen Schritt zurück treten und mit ansehen müssen, wie das Ding völlig porös und vernarbt direkt vor unseren Augen zerfällt, weil es dem von Kinderhand herbeigeführten Zersetzungsprozess nicht standhalten konnte. Wir stehen in einer sich langsam senkenden Staubwolke und ich sage: „Ich hab’s gewusst“.

Leider teilt der weltbeste Mann meine apokalyptischen Visionen nicht. Er teilt ohnehin recht wenig Apokalyptisches, denn das würde sich mit seiner unerschütterlichen Sorglosigkeit beißen.

Und als ich heute nach Hause kam und im Flur an dem teil-zerfledderten Karton vorbei ging, kam der Ärger wieder in mir hoch. Mit einem kleinen Schraubenzieher in eine Kartonverpackung zu hacken bereitet den Kindern unglaublich viel Freude, das sieht man deutlich. Aber was mache ich, wenn wirklich Kratzspuren auf dem Ding bleiben? Man kann den Kindern so viel sinnvolle Anleitung geben, wie man will („Ihr Lieben, bitte nur hier rein hauen“) – es läuft auf jeden Fall aus dem Ruder. Wieso sieht er es nicht einfach wie ich – ein klares Nein von Anfang an und es ist Ruhe im Karton (no pun intended).

Und dann hatte ich sie. Die Erkenntnis, bei der ich wohl Klassenletzte bin. Ich kann ihn nicht verändern und – jetzt kommst – dann kann ich doch auch direkt und mit sofortiger Wirkung aufhören mich zu Ärgern.
Ach so! Oooh, wie viel vertane Lebenszeit, graue Haare und Frustschokoladenkonsum kann ich einsparen, wenn ich mich nicht mehr darüber ärgere, dass wir nicht überall einer Meinung sind? Ich glaube es ist viel.

Er ist so, wie er ist und ich bin so, wie ich bin.
Und eigentlich, wenn ich ehrlich bin, ist das auch sehr gut so! Wenn ich mich mal nicht ärgere, dann  finde ich seine lockere Art einfach nur supercool. Die meisten lustigen Spiele bei uns haben sich dadurch ergeben, dass unsere Kinder viel ausprobieren dürfen (eben auch in einen Karton zu hacken).

Aber auch in den Momenten, in denen ich einfach nur bescheuert finde, was er macht, denkt und entscheidet, sollte ich wirklich langsam aufhören ihn verändern zu wollen und mit meinem Aufgaben weiter machen. Ich habe nämlich noch mehr zu tun, als mich sinnlos zu ärgern. Oh ja!

Als nächstes an der Reihe: Ich werde in den Flur gehen und den Schraubenzieher selbst mal in die Hand nehmen. Vielleicht hat es ja etwas Meditatives, in einen Verpackungskarton zu hacken.
Ich bin mir ziemlich sicher.

(Muss ja keiner wissen, dass ich die einzelnen Bretter einfach vorher rausnehme und wo anders für die kommenden drei Jahre zwischenlagere, ha!)

Eine langsame erkennende Bini

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Die Ehe ist ’ne geile Sache.

*Hochzeitstag*
… das habe ich vor genau 10 Jahren zu meinen superhippen Agentur-Kollegen gesagt, die mit offenem Mund auf meinen Ehering gestarrt haben. Lustigerweise haben mir eigentlich alle nach 10 Minuten Unterhaltung zugestimmt, dass es wirklich ziemlich cool klingt. Ehe ist schließlich, was du draus machst und wenn du was Cooles draus machst, dann staubt die Ehe auch nicht so, wie eingangs befürchtet! Yihaa!

Fastforward: 10 Jahre später haben wir unser Feuer nicht verloren. Aber der Fokus hat sich verändert, ein wenig sind die hedonistischen Jahre vorbei, die Kinder bringen geballtes Lebensglück und geballte Erwachsenen-Probleme. Oh ja. Und so kommt es dann auch, dass man sein Feuer in der allabendlichen Erschöpfung gegeneinander richtet (wie hier beschrieben). Aus der akuten Krise sind wir raus (war eh nicht so ’ne krasse Krise, da hatten wir schon schlimmere, ahem). Aber gerade deshalb überlegen wir uns, was wir für unsere Ehe tun können. Um sie ein bisschen zu pflegen. Denn das macht man ja mit allen möglichen Dingen, aber die Ehe ist auf der Liste, was hinten runter fällt ganz vorn (sprich: ganz hinten).

Vor 4 Jahren haben wir eine mega gute Erfahrung gemacht mit einem Ehekurs, der an vier Abenden im Herbst statt fand und uns total gut getan hat. Man lernt ein bisschen was, klar, aber vor allem war supergut, dass man immer ein wenig Leitfaden bekommen hat und sich dann zu zweit austauschen konnte. Aaaah, herrlich war das. Zurück schaun und merken: Krass, was uns alles verbindet. Vorrausschauen und überlegen: Was ist uns wichtig?

Natürlich könnte man das ebensogut auf dem hauseigenen Sofa machen, aber Hand auf’s Herz, das macht doch keiner. Also in unserer Ehe zumindest nicht.

Darum haben wir für September Marlin Watling eingeladen, der den Kurs vor 4 Jahren gemacht hat. Und darum möchten wir jetzt auch ganz herzlich EUCH einladen. Alle.

Fakten:
wann: alle Dienstage im September (5/12/19/26) um 20:00
wo: im heimathafen Wiesbaden
kostet: 69,- Euro und vielleicht ein wenig Überredungskunst, bei den skeptischen Herren, die dahinter eine Paartherapie vermuten (falsch gedacht). Ha!
Anmeldung: ehekurs (at) heimathafen-wiesbaden.de
Wer kann teilnehmen: alle Paare, mit und ohne Trauschein
Wer macht den Kurs: Diplom-Psychologe Marlin Watling aus Heidelberg

 Er wird Inputs geben zu den Themen:
– Die Freundschaft als Basis der Beziehung kultivieren
– Gemeinsamkeiten finden in Zeiten von hoher Beanspruchung
– Als Paar und Familie Sinn und Ausrichtung finden
– Bedürfnisse hören
– und Konflikte sauber lösen

Es gibt Einsichten von Familientherapeuten John Gottman (The Gottman Institute), von Konfliktforschern wie Marshall Rosenberg und Gerontologen Karl Pillemer. Diese werden kurzweilig aufbereitet und sind der Rahmen für die praktische Anwendung.

Mehr Infos gibt es auch beim facebook Event „Ehe gut, alles gut.“

Ich kann es echt nur wärmstens empfehlen! Meldet euch am besten direkt an, das Prinzip ist first come, first serve. Ich freu mich schon riesig drauf!

Eine verheiratete Bini

 

 

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Von so manchem Schabernack und verletzter Aufsichtspflicht.

  • zwei Kinder + eine Schere = ein Desaster. Aber immerhin ein schönes. Die Große entschied der Kleinen eine assymetrische Frisur zu schneiden, die durch Zufall mega cool aussah. Einziger Wermutstropfen: die Frisur legte eine linkspolitische Neigung nah. Da wir jegliche politische Meinung für nicht angemessen bei einer Zweijährigen halten, durfte doch noch ein Friseur ran. (schade, eigentlich)
  • Kirschflecken kann man aus dem Sofa entfernen, indem man den Bezug in einen Topf mit kochendem Wasser tunkt. Klappt hervorragend. Tipp für regelmäßige Nutzer dieser Technik: die leichten Flecken zuerst entfernen, die dunkleren, größeren sind auch im nassen Stoff noch gut lokalisierbar.
  • Wenn man eine kleine Bootstour über den Kurpark-See macht und der vierjährige Abenteuergeist fordert näher an die 6 m hohe Fontäne heran zu schippern, sollte man ihrem Wunsch nicht folgen.

    Oder aber man macht es (wie wir Dummies) und hat im Handumdrehn ein klatschnasses Boot, eine heulende Schwester und zu viel Wasser in der Hose um sich auf der Heimfahrt mit dem Bus hin zu setzen. Hmja.  Aber Hand auf’s Herz, es ist die reinste Gaudi und wird dringend empfohlen!
  • Wie viel Sand passt ins Klo? Mehr als man denkt. Oh, ja. Aber die eigentliche Frage ist – liegt hier eine Betreuungsmissstand vor? Schließlich saß die Kindsmutter ja nicht tatenlos daneben beim Haare schneiden, Sand-ins-Klo und Kirschen-auf-dem-Sofa-essen. Was macht diese Frau nur? Ein Teil der Wahrheit ist wohl, dass sie die irrtümlich angenommene Freiheit, die größere Kinder mit sich bringen, auskostet. Vermutlich mit iced latte (diesbezügliche zweifelhafte Abhängigkeiten gelten als erwiesen).
    Aber da keine übermäßigen Erholungserscheinungen bei der Kindsmuter fest gestellt werden können, ist es treffender zu vermuten, sie kocht a) die 394. Mahlzeit in dieser Woche, oder schrubbt b) eine kleine Unterhose, die dem „Trocken sein“ des Kleinkindes lauthals widerspricht oder sie sitzt c) auf ihrem Bett und schreibt einen blog post über das Chaos, das ihre Kinder veranstalten, während eben diese die Kinderzimmertür eigenhändig geschlossen haben und fröhlich dahinter spielen.

Oh weh. Mir schwant Fürchterliches. Ich muss ganz, ganz schnell los.

Eine aufsichtspflichtige Bini

P.S. Der Schaden, der durch diesen blogpost entstand belief sich auf das durchschnittliches Chaos (vor allem Decken und Kleider) und eine angekaute Tulpe aus Holz. Glück gehabt!

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DomiundBini 2.0

Bauch*Reportage*39-1
[vor vier Jahren: Das letzte *vorher* Bild von uns zweien, quasi DomiundBini 1.0]

Über die eigene Ehe zu sprechen ist ja ganz leicht – so lange alles leicht ist. Und schwieriger wird’s, wenn’s schwieriger wird. So wie bei uns in der letzten Zeit. Schwierig sind nicht unbedingt wir (im Gegenteil, wir sind toll!), schwierig sind unsere Umstände. Kinder werden synchron-krank, Unterstützung fällt aus, berufliche Ambitionen zerren an dem ein oder anderen Teilnehmer unserer Ehe und unter all diesen Einflüssen werden auch wir ein wenig schwierig. Jeder auf seine Art natürlich. Und der Tiefpunkt ist dann, wenn man sich nach einem Tag voll 27 Wäschebergen und nörgelig-fiebernden Kinder auf der einen Seite und  27 anstrengende Meetings und keine Verschnaufspause auf der anderen Seite trifft und genau das tut, was jedes andere gute Ehepaar an unserer Stelle auch tun würde: Vor Erschöpfung streiten.

Gott steh uns bei.

An einem dieser denkbar anstrengenden Abende sind wir auf einen Kernpunkt gestoßen. Es ist ein Cliché und ein Klassiker unter den ehelichen Uneinigkeiten, aber das macht es nicht weniger fies. Es geht darum, dass sich durch unsere traditionelle Rollenaufteilung (Mann = Arbeit, Frau = Familie) unser Alltag grundlegend unterscheidet und das gegenseitige Verständnis nachlässt. Und das ist neu für uns.
Wir haben uns 1999 als Schüler kennen gelernt. Da waren wir 14 und 15 Jahre alt [an dieser Stelle  sämtliche Herzchen-emojis einfügen]. Wir sind ein Paar geworden und haben eigentlich alles Wichtige parallel gemacht. Wir waren zusammen in der Schule, wir haben gemeinsam Jugendarbeit gemacht. Wir haben zusammen studiert und waren zusammen in NYC. Wir haben gleichzeitig unsere Abschlussarbeiten geschrieben, haben gemeinsam am Aufbau vom heimathafen gearbeitet (ich natürlich weniger), haben gemeinsam eine Familie gestartet und BÄM! Hier trennen sich die Wege.

Fakt ist, wir wollen so leben. Der heimathafen ist trotz aller Kosten Dominiks Traum und meine Entschlossenheit ihn darin zu unterstützen lässt keinen Moment nach. Meine Zeit mit den Kinder ist unglaublich wertvoll für mich und in Kombination mit Vormittagen für meine Projekte und Idee ein absoluter Traum. Die Aufteilung ist gut und macht Sinn. Trotzdem entfernt es uns voneinander, weil ich keine Ahnung davon habe, wie man sich nach 27 Meetings ohne Pause fühlt und er keine Ahnung hat, wie es ist, wenn man sich von nörgelig-fiebrigen Kindern und Wäschebergen gleichzeitig über- und unterfordert fühlt.

Ich erinnere mich noch gut an die Tage und Wochen nach der Geburt von der kleinen großen
Norali – alles war neu und fremd und schön und anstrengend und glücklich und die Brust tat weh. Und ich erinnere mich noch gut daran, dass ich einen Moment inne gehalten habe und mich von „Domi und Bini“ verabschiedet habe. Und wirklich, ehrlich traurig war, weil es uns nie, nie, nie wieder als „Nicht-Eltern“ geben wird. Und das ist gut so, weil ich mir diese Familie sehnlichst gewünscht habe und weil wir sie ja AUCH zusammen haben. Aber wir zwei, nur er und ich, oh Mann, das war schon sehr, sehr geil. Und ich war traurig, dass diese Phase in unserem Leben abgeschlossen ist.

So geht es mir auch heute noch manchmal. Manchmal vermisse ich uns. Manchmal habe ich aus dem Nichts heraus Visionen davon, wie wir sorglos und kinderfrei über eine sonnige Piazza irgendwo im Süden schlendern und zu zweit Wein trinken gehen. Manchmal träume ich davon, dass wir morgens aufwachen, dann mit einem Kaffee im Bett sitzen und dem Baum da draußen zuschauen, wie er sich in der Morgensonne hin- und her wiegt.

So wie heute morgen.

Die Kinder sind nämlich bei den Großeltern und wir hatten den herrlichsten Domi und Bini Morgen der Welt. Mit Kaffee und Ruhe und guten Gesprächen über kleine und große Dinge. Und natürlich über unsere Kinder. Zufällig haben wir nämlich die coolsten Kinder der Welt, das wissen wir beide ganz genau. Sie haben uns so sehr geprägt in den letzten Jahren. Sie bereichern unser Leben unmessbar.
An unserem schönen Morgen habe ich gemerkt: „Wir“ sind immer noch da. Und wir sollten uns ab und an Zeit nehmen, uns daran zu erinnern. Und dann wird auch schnell klar, dass wir uns immer noch einig sind (meistens), auch wenn der Alltag sich unterscheidet (sehr).

Wir werden nie wieder ein Studentenpaar sein, dass gemeinsam über Klausurphasen meckert und die Semsterferien genießt. Aber diese Phase ist eigentlich nur anders und nicht unbedingt schlechter. Vielleicht steckt in dieser neuen Alltags-Aufteilung auch die Chance, den anderen zu sehen und wert zu schätzen, gerade weil er eben anders ist. Und ganz egal, wie viel wir gemeinsam durchleben oder nicht, können wir uns gegenseitig anfeuern. Er kann sagen „boah, diese nörgeligen Kinder, da bist du echt super ruhig geblieben gerade und Danke für die sauberen Hemden“ und ich kann sagen, „klar, gern, die brauchst du ja für die 37 Meetings, die morgen anstehen und übrigens, bewundernswert, wie du das machst, so ganz ohne Pause.“

 

Hm. Ich glaube ich bin noch nicht ganz fertig mit diesem Thema. Aber ich habe das Gefühl, die Gedanken gehen schon mal in eine gute Richtung. :)
Mich würde wirklich brennend interessieren, wie es euch damit geht, mit den sich-verändernden-Beziehungen… Schreibt mir oder hinterlasst einen Kommentar! Bin gespannt!

Eine frieden-findende Bini

P.S. Womit ich meinen Frieden NICHT finde: dass wir kein, nicht ein aktuelles Foto von uns zu zweit haben. Weil wir Fotos zu zweit nicht mehr machen. Das ist wirklich nicht ok. Das werde ich ändern!